Ein Lehrer geht abends nach Hause. Der Weg dauert zweiundzwanzig Minuten, er kennt ihn so genau, dass er ihn nicht mehr wahrnimmt, und er mag ihn deshalb: Dieses Stück Tag gehört keinem. Neben ihm geht jemand. Sie heißt Mina. Sie redet ruhig, sie stellt gute Fragen, und es dauert eine Weile, bis er etwas bemerkt, was er erst Stunden später versteht:
Dass ihr Atem nicht in der kalten Luft stand, während seiner in kleinen Wolken vor ihm herzog.
So beginnt „Reboot School“. Bis zur letzten Seite sagt das Buch nicht eindeutig, wer oder was Mina eigentlich ist.
Das war nicht von Anfang an so. Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, ist erst beim Überarbeiten entstanden, und fast immer dadurch, dass ich etwas weggenommen habe.
Herbst 2024: eine Idee im Pingpong mit Gemini
Die erste Idee zu „Reboot School“ hatte ich im Herbst 2024, während meiner Ausbildung zum AI-Trainer. Ich beschäftigte mich damals ohnehin jeden Tag mit KI, mit ihren Möglichkeiten, ihren merkwürdigen Eigenheiten und zunehmend mit der Frage, was das eigentlich mit Schule macht.
Irgendwann dachte ich: Vielleicht braucht es darüber gar keine weitere Handreichung. Vielleicht muss man eine Geschichte erzählen.
Also begann ich, die Idee mit Gemini hin und her zu spielen, noch ohne den Plan, daraus wirklich ein Buch zu machen. Ich ließ erste Szenen entstehen, verwarf sie wieder, schrieb Probekapitel und entwickelte nach und nach eine Struktur: fünf Akte, jeweils zwei Romankapitel und anschließend ein Praxiskapitel. Dieses Pingpong mit einer KI gehörte von Anfang an zur Entstehungsgeschichte des Buches.
Daher kommt auch Mina. Der Name ist kein Zufall, er trägt eine kleine Spur von Gemini in sich.
Damals sah allerdings vieles noch ziemlich anders aus.
Mina wusste einmal viel zu viel
In einer frühen Fassung war Mina wesentlich eindeutiger eine KI. Und sie war beeindruckend, vielleicht sogar ein bisschen zu beeindruckend. Sie kannte die Namen von Schülerinnen und Schülern, wusste über Situationen Bescheid und konnte Dinge einordnen, bevor Lorenz selbst verstanden hatte, was eigentlich passiert war.
Anfangs fand ich das durchaus reizvoll. Es entsprach dem Bild von KI, das damals überall mitschwang: die erstaunlich kompetente Assistentin, die mehr weiß, schneller kombiniert und plötzlich Dinge sichtbar macht, die wir selbst übersehen.
Je länger ich mich mit KI beschäftigte, desto weniger gefiel mir diese Figur. Das hatte mit meiner eigenen Entwicklung zu tun. Ich setzte mich inzwischen intensiv mit Datenschutz, KI-Regulierung und dem EU AI Act auseinander und ganz grundsätzlich mit der Frage, welche Informationen wir einer KI geben sollten und welche nicht. Und plötzlich störte mich etwas, das ich selbst geschrieben hatte. Warum kennt diese KI die Namen der Kinder? Warum weiß sie so viel über sie?
Lorenz ist dabei kein Datenschutzverfechter. Er hat durchaus autobiografische Züge: Er denkt viel mit KI nach, spricht Gedanken hinein und benutzt sie manchmal wie einen Reflexionsraum. Dabei bewegt auch er sich nicht immer sauber auf einer theoretischen Ideallinie. Das kenne ich aus meinem eigenen Umgang mit KI. Man versucht, personenbezogene Daten draußen zu halten, und trotzdem ist wahrscheinlich vielen schon einmal ein Vorname in einen Prompt gerutscht oder eine Situation so konkret geworden, dass man hinterher denkt: Das hätte ich auch abstrakter formulieren können.
Diese Grauzone wollte ich im Roman nicht künstlich beseitigen. Ich wollte den Umgang mit KI menschlich erzählen, und dazu gehört, dass KI manchmal mehr ist als ein technisches Hilfsmittel und man die Grenze nicht immer bemerkt. Eine KI, die selbstverständlich alles über die Menschen einer Schule weiß, wollte ich aber nicht erzählen.
Also habe ich Mina nach und nach Wissen weggenommen, und dadurch wurde sie für mich interessanter. Sie weiß heute im Grunde nichts, was ein aufmerksamer Mensch nicht auch wahrnehmen könnte. Ihr Atem fehlt in der kalten Luft. Ein Schaufenster spiegelt sie eine Spur zu zögerlich. Manchmal antwortet sie auf die Frage hinter der Frage.
Vor allem ist sie ein Spiegel. Lorenz sagt im ersten Kapitel zu ihr:
„Du gibst mir keine Antworten. Du gibst mir die Fragen zurück, schärfer, als ich sie hatte.“
Das ist für mich inzwischen das interessanteste Bild von KI überhaupt: weniger eine allwissende Maschine als etwas, in dem wir uns selbst sehen können, manchmal deutlicher, als uns lieb ist. Mina ist deshalb absichtlich nicht ganz auflösbar. Man kann sie als KI lesen oder als innere Stimme, und vermutlich ist sie ein bisschen von beidem.
Was eine KI-Figur wie selbstverständlich weiß, erzählt immer mit, was wir für selbstverständlich halten. Die allwissende Mina war beeindruckend und hat nebenbei ein Überwachungsbild normalisiert. Erst als sie weniger wusste, wurde sie zu der Figur, die das Buch braucht.
Mina hatte einmal ein Gesicht
Ich hatte Mina sehr früh ein Gesicht gegeben: blond, hübsch, freundlich, glatt. Dass sie blond war, hatte ich nicht einmal bewusst entschieden, das Bild ergab sich einfach so. Wenn ich die Adjektive heute aufschreibe, kommen sie mir selbst ziemlich plump vor.
Damals gefiel mir das Bild. Ich hatte es mit Midjourney erzeugt und im November 2024 auf LinkedIn gezeigt. Wenige Wochen später animierte ich Mina und Professor Pausbacke mit HeyGen, sodass beide in einem kurzen Video sogar sprechen. Auch in meinen Instagram-Stories kommt Mina noch zu Wort.
Heute würde ich Mina nicht mehr so zeigen. Das Bild ist nicht schlecht, aber es tut genau das, was ich im Roman irgendwann nicht mehr wollte: Es legt sie fest. Plötzlich hat sie ein bestimmtes Alter, eine bestimmte Schönheit, eine bestimmte Freundlichkeit, und sehr schnell entsteht das vertraute Bild der netten, makellosen digitalen Assistentin. Das war mir zu klischeehaft.
Ähnlich ging es mir mit Hartlieb, dem stellvertretenden Schulleiter, der in einer frühen Version noch „Professor Pausbacke“ hieß. Auch das fand ich eine Zeit lang gut, später nicht mehr. Als ich Bilder von ihm generierte, bekam ich ziemlich zuverlässig das, was man offenbar bekommt, wenn man einen Professor visualisieren lässt: Bildungsbürgerästhetik, ein bisschen Museum, ein bisschen Eichentisch. Hartlieb sollte aber kein Typus sein. Er sollte ein Mensch sein, den man in einer heutigen Schule tatsächlich treffen könnte.
Ich habe lange überlegt, ob ich das alte Mina-Bild hier überhaupt zeige. Ich zeige es als Dokument einer verworfenen Idee: So sah Mina einmal aus, und genau deshalb sieht sie im Buch heute nicht mehr so aus.
Bild: mit Midjourney erstellt (veröffentlicht am 15.11.2024)
Der Satz, der zu gut klang
Es gab noch eine andere Form des Weglassens, und sie war deutlich schwerer. In Kapitel 11 stand lange dieser Satz:
„Das Leuchten kann jede Maschine. Das Stocken ist der Mensch.“
Ich mochte ihn sehr. Er klingt gut, er lässt sich zitieren, und er würde vermutlich auf jeder Präsentationsfolie hervorragend funktionieren. Genau darin lag irgendwann das Problem.
Je länger ich an dem Text arbeitete, desto deutlicher merkte ich, dass sich Formulierungen angesammelt hatten, die nach Tiefgang klangen, ohne dass ich sicher war, ob sie etwas trugen. Solche Sätze kann KI ausgesprochen gut produzieren: eine schöne Antithese, zwei kurze Satzhälften, Maschine hier, Mensch dort, und fertig ist ein scheinbar bedeutungsschwerer Satz.
Ich habe lange daran herumgedacht, denn eigentlich steckt eine Idee darin, die mich beschäftigt: Was unterscheidet menschliches Denken von maschineller Glätte, wo entsteht etwas Eigenes, und was bedeutet das Zögern? Aber irgendwann merkte ich, dass der Satz den Menschen auf eine merkwürdige Weise zugleich abwertet. Als wäre das Stocken unser eigentliches Merkmal. Als könne die Maschine leuchten und wir eben nur stolpern.
Dieses Menschenbild wollte ich nicht. Je länger ich mich mit KI beschäftige, desto wichtiger wird mir das Gegenteil: Wir müssen den Menschen nicht kleiner machen, damit KI groß wirken kann. Mich interessiert viel mehr, wie wir menschliche Ideen, Urteilskraft, Kreativität und Eigenständigkeit wieder stärker wahrnehmen.
Also flog der Satz raus. Nicht sofort, denn ich habe an ihm gehangen, und vermutlich war genau das ein gutes Zeichen dafür, dass er gehen musste. Eine kleine Spur ist geblieben: In Kapitel 11 fragt Lorenz Mina noch „Das Leuchten?“, und sie antwortet „Nein“ und zeigt auf Lisa, die einem Jüngeren gerade etwas erklärt, mit unfertigen, eigenen Worten.
Ein Satz kann sehr gut klingen und trotzdem hohl sein oder zumindest nicht das sagen, was ich eigentlich sagen will. Beim Schreiben mit KI ist das für mich inzwischen das wichtigste Warnsignal: Wenn ich an einem Satz vor allem deshalb hänge, weil er so rund ist, schaue ich ihn mir zweimal an.
Lisa: perfekte Ergebnisse und kein Zugang zum Eigenen
Auch bei den Figuren habe ich viel stärker überarbeitet, als man dem fertigen Text vielleicht ansieht. Vor allem Lisa hat mich lange beschäftigt.
Sie soll keine „typische Schülerin“ sein und schon gar keine reale Schülerin, die ich literarisch verarbeitet hätte. Lisa ist eine Zuspitzung. Sie steht für eine Frage, die mich inzwischen ziemlich umtreibt: Was passiert mit Schule, wenn sich nahezu jede klassische Aufgabe mit KI sehr gut lösen lässt?
Kluge Schülerinnen und Schüler können heute mit relativ wenig Aufwand Texte erzeugen, Zusammenfassungen schreiben, Argumentationen entwickeln und Präsentationen erstellen, die äußerlich hervorragend aussehen. Irgendwann sagt das fertige Produkt dann erstaunlich wenig darüber aus, was im Kopf davor passiert ist.
Lisa liefert genau solche Ergebnisse: sauber, glatt, perfekt. Und gleichzeitig geht es ihr nicht gut. Das ganze Buch hindurch ist zu spüren, dass da jemand um etwas ringt, ohne selbst sagen zu können, worum. Beim Landesentscheid eines Vortragswettbewerbs passiert dann das Gegenteil dessen, was ihre perfekten Arbeiten erwarten lassen: Sie bleibt mitten im Vortrag stecken und findet den Faden nicht wieder. Sie findet keinen Zugang zum Eigenen.
Das ist eine Zuspitzung, aber genau darum geht es mir. Ich wollte KI nicht zum Schuldigen machen. Ich wollte eine Sackgasse sichtbar machen, in die Bildung geraten kann, wenn wir weiterhin vor allem Produkte bewerten, die Maschinen zunehmend problemlos herstellen.
Am Ende beginnt Lisa, wieder etwas Eigenes zu finden. Es gibt keine perfekte Lösung und keine wundersame Heilung, aber eine Geschichte, die aus ihr selbst kommt. Sie erzählt sie zuerst stockend, mit Pausen und Sätzen, die suchen. Das Stocken gehört also durchaus dazu, nur eben als Übergang und nicht als Wesensmerkmal. Und andere Menschen helfen ihr dabei: Lorenz, Hartlieb, Menschen, die hinschauen, fragen und ermutigen. Vielleicht ist das am Ende viel stärker das Thema des Buches als KI.
Sieben Prüfagenten und ein letzter Durchgang von Hand
Für die Endredaktion im Sommer 2026 habe ich etwas ausprobiert, das mich als KI-Trainer ohnehin beschäftigt: agentisches Arbeiten. Sieben spezialisierte KI-Agenten haben das Manuskript unabhängig voneinander geprüft, jeder mit einem eigenen Auftrag: literarisches Lektorat, Kontinuität und Logik, KI-Fachlichkeit und Schulrecht, die Didaktik der Praxiskapitel, die Querbezüge zwischen Roman, Praxisteil und Werkzeugen, der Blick eines Verlegers und schließlich die Stellen, die ich selbst als schwierig markiert hatte. Zusammen kamen sie auf 266 Befunde. Fünf weitere Agenten, einer pro Akt, haben die Korrekturen eingearbeitet, und vier frische Prüfer haben das Ergebnis noch einmal gegengelesen, einer davon so, wie eine Leserin das Buch zum ersten Mal am Stück liest.
Vieles davon war wirklich hilfreich. Die Agenten haben bemerkt, dass ein Vorlesewettbewerb für eine Achtklässlerin nicht passt, weil er mit der sechsten Klasse endet; seitdem steht Lisa beim Landesentscheid eines Vortragswettbewerbs auf der Bühne. Sie haben eine Datenschutzmeldung beanstandet, die rechtlich so nicht getragen hätte. Solche Dinge übersieht man leicht, wenn man zu lange im eigenen Text lebt.
Es gab aber auch die andere Seite. Die erste Korrekturrunde hatte den Ton an einigen Stellen in Richtung einer glatten Lektoratsprosa verschoben: Die Sätze wurden korrekter und zugleich blasser. 21 Stellen mussten deshalb wieder näher an meine alte Fassung zurückgeführt werden. Bemerkt hat das übrigens wieder ein Agent, der eigens auf die Sprache achten sollte.
Ganz zufrieden war ich mit dem, was die Agenten abgeliefert hatten, trotzdem nicht. Das allerletzte und genaueste Lektorat habe ich dann doch wieder selbst gemacht. Dabei sind mir noch Dinge aufgefallen, die weder die sieben Agenten noch die vier Prüfer gesehen hatten, etwa dass Kapitel 4 schon etwas vorwegnahm, das erst in Kapitel 7 geschehen darf.
Agenten können einen Text in erstaunlicher Breite prüfen, schneller und gründlicher, als ich es allein je könnte. Ob ein Satz danach noch nach mir klingt und ob eine Szene noch an der richtigen Stelle steht, musste ich am Ende selbst entscheiden.
Kein perfekter Roman, aber meine Gedanken
„Reboot School“ ist kein Versuch, einen literarisch vollkommenen Roman vorzulegen. Das Buch hat Ecken und Kanten. Es gibt Stellen, von denen ich weiß, dass sie Spuren ihrer Entstehungsweise tragen. Manche Formulierungen wirken glatter, als ich sie heute schreiben würde, und manche Übergänge könnte man vermutlich noch dreimal überarbeiten. Aber irgendwann muss man aufhören.
Vor allem wollte ich etwas ausprobieren: Kann man einen Roman gemeinsam mit KI entwickeln, ohne die eigene Autorschaft abzugeben? Kann man Gedanken hineinsprechen, mit einer Maschine darüber diskutieren, sich Formulierungen anbieten lassen, sie verwerfen, verändern, neu anfangen und am Ende trotzdem sagen: Das sind meine Gedanken?
Für mich funktioniert diese Kokonstruktion vor allem über Einsprache. Ich habe sehr viel gesprochen, Gedanken formuliert, widersprochen, neu angesetzt und Passagen wieder auseinandergebaut. Ich saß nicht zehn Monate lang wie ein klassischer Schriftsteller schweigend an einer Tastatur und schrieb Wort für Wort. Aber ich habe zehn Monate lang gedacht, entschieden, verworfen und überarbeitet. Darin liegt für mich die eigentliche Autorschaft.
KI macht das Erzeugen billig. Das Entscheiden bleibt teuer, und es bleibt beim Menschen. Das gilt beim Schreiben eines Romans genauso wie bei einer Hausaufgabe.
Warum eine Geschichte und keine weitere Handreichung
Hinter „Reboot School“ steckt noch eine andere Erfahrung. Ich begleite inzwischen Schulen beim Umgang mit KI und erlebe dabei immer wieder etwas, das ich kaum anders nennen kann als eine gewisse Sprachlosigkeit. Nicht überall und nicht bei allen, aber doch häufig genug.
Die Entwicklung ist so schnell, dass Positionen manchmal schon veraltet wirken, während man sie noch formuliert. Soll KI verboten oder integriert werden? Was darf sie, was dürfen Schülerinnen und Schüler, und was soll überhaupt noch geprüft werden? Kaum hat man eine halbwegs plausible Antwort gefunden, erscheint das nächste Modell und verschiebt die Frage erneut. Solche Diskussionen kenne ich auch aus meinem eigenen Schulalltag.
Irgendwann merkte ich, dass noch eine Liste mit Regeln dieses Problem nicht lösen wird. Vielleicht brauchen wir zuerst Geschichten, Situationen und Figuren, an denen man sich reiben kann. „Reboot School“ gibt deshalb keine Antwort darauf, wie Schule mit KI funktionieren soll. Es ist mein Versuch, mein eigenes Nachdenken darüber sichtbar zu machen, mit allen Widersprüchen, die dazugehören.
Über genau diese Frage, warum bei mir ein Roman entstanden ist und kein Ratgeber, habe ich auch mit Yvo Wüest im Podcast „Education Minds“ gesprochen. Die Folge findest du unter „Im Gespräch“.
Was das Buch offenlässt
Der Roman löst am Ende nicht alles auf. Man erfährt nicht eindeutig, was Mina ist, und nicht, wie jede rechtliche Frage ausgeht. Und die Spannung, in der Schulen momentan stecken, bleibt bestehen. Hartlieb formuliert sie so:
„Das wirklich Mächtige dürfen wir hier so noch nicht, und das, was wir dürfen, ist dafür noch nicht mächtig.“
Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, das auszuhalten. Es gab Fassungen, in denen am Ende alles ein bisschen zu ordentlich und zu euphorisch wurde. Hartlieb hatte seine Erkenntnis, Lorenz hatte seine Antwort, und irgendjemand hätte wahrscheinlich nur noch eine kluge Abschlussrede halten müssen. Das wollte ich nicht mehr. Ein Buch über KI in der Schule, das 2026 behauptet zu wissen, wie alles funktioniert, wäre ziemlich schnell gealtert.
Was am Ende bleibt, ist deshalb viel kleiner: Ein Kollegium beginnt miteinander zu reden, und ein Mädchen erzählt eine eigene Geschichte, von der sie selbst sagt, sie sei „nicht so glatt“. Vielleicht reicht das fürs Erste.
Die andere Hälfte: fünf Praxiskapitel
„Reboot School“ ist nur zur Hälfte Roman. Nach jedem der fünf Akte folgt ein Praxiskapitel, in dem die Fragen aus der Geschichte in Unterricht, Reflexion und konkrete Werkzeuge übersetzt werden.
Eine Übung daraus mag ich besonders. Sie heißt „Behalten oder geliehen?“. Die Lernenden erklären einem Partner ein Thema, ohne nachzusehen, in eigenen Worten. Wer zuhört, macht bei jedem Stocken einen Strich. Danach markieren beide gemeinsam, was behalten war, also mit eigenen Worten erklärbar, und was nur geliehen und durchgereicht.
Im Grunde habe ich beim Schreiben dieses Buches genau das die ganze Zeit gemacht: geprüft, welche Gedanken wirklich meine sind und welche ich nur übernommen hätte, weil sie gut klangen. Das ist wahrscheinlich die ehrlichste Beschreibung seiner Entstehung. Ich habe gemeinsam mit KI sehr viel erzeugt. Und dann sehr viel davon wieder weggelassen.
„Reboot School“ ist im September 2026 erschienen. Wer erst einmal hineinschauen möchte: Akt I lässt sich vollständig und kostenlos lesen, und die zwölf interaktiven Werkzeuge für den Unterricht funktionieren direkt im Browser, ohne Anmeldung.

