Ausgangspunkt: Tools bauen – und plötzlich eine ganze Plattform
Am Anfang stand keine große strategische Entscheidung. Ich wollte meine Ideen für interaktive Tools und digitale Lernoberflächen endlich professionell weiterentwickeln – Dinge, die auf einer Wix-Seite schlicht nicht vernünftig umsetzbar sind. Wix hat Grenzen, die man erst richtig spürt, wenn man anfängt, echte Funktionen zu bauen.
Was dann passiert ist: Wer eigene Tools baut, braucht Hosting. Wer Hosting aufsetzt, denkt über Datenschutz nach. Wer über Datenschutz nachdenkt, überarbeitet die Seitenstruktur. Und wer die Struktur anfasst, merkt: eigentlich passt die ganze alte Seite nicht mehr. Aus einem spontanen Wochenend-Projekt wurde – fast logisch – der Neuaufbau meiner gesamten Marken-Website.
Das Ergebnis: creative-mind-lab.de – nicht mehr nur eine Visitenkarte, sondern eine echte Plattform. Mit eigenem Hosting, eigenem Designsystem, eigenen Tools, eigener Deployment-Pipeline. Und mit dem Anspruch, dass ich jeden Teil davon selbst verstehe und selbst steuern kann.
Die drei Leitlinien – und warum sie zusammengehören
Bevor ich über den Bauprozess schreibe, lohnt sich ein Blick auf das Herzstück der neuen Website: die drei Leitlinien. Sie stehen auf der Startseite als drei Türen. Und sie sind kein Marketing-Trick – sie beschreiben tatsächlich, wie ich arbeite.
KI & Schule
Wie Lehrkräfte und Schulleitungen KI sinnvoll, kritisch und verantwortungsbewusst in den Unterrichtsalltag integrieren.
KI & Governance
Wie Schulen und Bildungseinrichtungen KI-Beauftragten-Strukturen aufbauen, Richtlinien entwickeln und Verantwortung organisieren.
KI & Musik
Wie KI kreative und musikpädagogische Prozesse bereichert – im Unterricht, in der Komposition und im künstlerischen Schaffen.
Ich werde oft gefragt: Was hat Musikunterricht mit KI-Governance zu tun? Die ehrliche Antwort ist: mehr, als man denkt.
Musik lehrt, dass Regelwerke und Kreativität keine Gegensätze sind – sie brauchen einander. Improvisation funktioniert, weil es ein gemeinsames harmonisches Gerüst gibt. Eine gute KI-Richtlinie an einer Schule funktioniert genauso: Sie gibt Orientierung, damit Freiheit entstehen kann. Ohne Struktur ist alles Rauschen.
Und Unterricht – guter Unterricht – war schon immer ein Akt des Übersetzens: komplexe Inhalte in menschliche, erfahrbare Lernmomente verwandeln. Genau das braucht es bei KI-Fortbildungen am meisten. Nicht Technik-Evangelismus. Nicht Panikmache. Sondern jemanden, der beide Welten kennt und zwischen ihnen vermitteln kann.
KI verändert nicht, was gute Bildung bedeutet. Aber sie stellt neu die Frage, wie wir Lernen organisieren – und wer dabei die Verantwortung trägt.
Die drei Leitlinien sind also keine drei separate Angebote, die ich zufällig alle mache. Sie sind drei Perspektiven auf dieselbe Grundfrage: Wie leben und arbeiten Menschen sinnvoll mit KI – ohne sich selbst dabei zu verlieren?
Der Bauprozess: Analyse, Idee und Umsetzung – an einem Wochenende
Ich bin kein Webentwickler. HTML und CSS kann ich, JavaScript nur wenn es wirklich sein muss. Mein ursprünglicher Impuls war direkt: loslegen, bauen, sehen was passiert. Was dann tatsächlich passiert ist, war anders – und viel besser.
Alles ist an einem einzigen Wochenende entstanden: die Analyse meiner bestehenden Website, die Auseinandersetzung mit meinem bisherigen Online-Auftritt, die Ideen für die neue Struktur, das Designsystem – und der eigentliche Aufbau. Kein monatelanger Planungsprozess, keine Agentur, keine Vorlage. Einfach: klarer Kopf, die richtigen Werkzeuge, und ein konsequenter Fokus auf das, was wirklich zählt.
Strategie und Umsetzung schließen sich nicht aus – wenn man weiß, wie man beides gleichzeitig denkt. KI ist dabei kein Ersatz für eigene Klarheit, sondern ein Katalysator: Wer weiß, wohin er will, kommt mit KI überraschend schnell dorthin.
Das Ergebnis fühlt sich nicht zusammengewürfelt an – weil es von Anfang an ein System war. Ein Farbsystem, eine Typografie-Logik, eine Navigationsstruktur, die aus einer echten inhaltlichen Entscheidung heraus entstanden ist. Nicht generiert. Entschieden.
Claude Cowork und Claude Code – zwei verschiedene Werkzeuge
Ich habe in diesem Projekt zwei verschiedene Claude-Produkte genutzt, und der Unterschied ist wichtig zu verstehen:
Claude Cowork ist eine Desktop-App, die ich parallel zu meiner Arbeit offen hatte. Sie hat Zugriff auf meinen Projektordner, kann Dateien lesen und schreiben, und sie denkt mit – im eigentlichen Sinne. Ich habe dort nicht nur Code bekommen, sondern Struktur-Entscheidungen besprochen, Schreibstil diskutiert, SEO-Strategien entwickelt und sogar DSGVO-relevante Punkte durchgegangen.
Claude Code ist ein CLI-Tool – ein Kommandozeilen-Programm, das ich im Terminal nutze und das direkt mit dem Git-Repository interagiert. Es ist das Werkzeug für präzise, technische Aufgaben: einen Branch erstellen, eine Datei umstrukturieren, einen Deploy-Workflow anlegen.
Der Unterschied zwischen "KI nutzen" und "KI gut nutzen" liegt in der Aufgabenteilung. Strategische Entscheidungen treffe ich. Claude unterstützt mit Wissen, Struktur und Ausführung. Wer das umdreht, verliert die Kontrolle – und meistens auch die Qualität.
Das Design-System: Wenn KI echte Designentscheidungen mitträgt
Eines der Dinge, die mich am meisten überrascht haben: Wie detailliert KI bei Design-Entscheidungen mitdenken kann – wenn man ihr die richtigen Fragen stellt.
Das Designsystem der neuen Website ist nicht zufällig entstanden. Es hat eine klare Sprache: Glassmorphism-Cards auf tiefdunklem Navy-Hintergrund, eine klare Teal-Akzentfarbe als Markenfarbe, ein Hover-Effekt der sich wie eine Lichtreflexion auf einer Glasoberfläche verhält. Drei Farben für drei Leitlinien – konsequent durchgezogen von den Karten bis zu den Modals.
Das alles wurde nicht in einem Prompt "generiert". Es entstand in echten Gesprächen, mit Vergleichen, Iterationen, manchmal auch mit Widerspruch. Claude hat mir Alternativen gezeigt, ich habe mich entschieden, Claude hat umgesetzt, ich habe es im Browser angeschaut und gesagt: "Zu bunt", "zu wenig Tiefe", "der Hover fühlt sich billig an".
Design-Entscheidungen zu treffen ist keine Frage von Geschmack allein – es ist eine Frage von Konsistenz. Und dabei ist KI überraschend stark.
Die nervigen Dinge: Git, SEO, Datenschutz – und wer wirklich aufpasst
Hier muss ich ehrlich sein – und das ist mir wichtig: KI passt nicht automatisch auf alles auf. Im Gegenteil. Viele kritische Fragen rund um Datenschutz, Sicherheit und rechtliche Anforderungen kamen von mir. Die KI muss oft aktiv darauf hingewiesen werden, bevor sie das Thema aufgreift.
Das Double-Opt-In beim Newsletter, die HMAC-Token-Sicherheit für Bestätigungslinks, die Frage nach IP-Hashing bei Kommentaren – das waren meine Impulse. Claude hat dann sauber umgesetzt und durchdacht weiterentwickelt. Aber die Verantwortung für die richtigen Fragen lag bei mir.
Deshalb habe ich für die Weiterentwicklung der Website ein eigenes System eingebaut: Security-Checks und Prüfschleifen, die vor bestimmten Schritten zwingend durchlaufen werden – inklusive expliziter Stop-Signale, die das weitere Programmieren unterbrechen, bis eine Prüfung stattgefunden hat. Das klingt bürokratisch. Es ist es nicht – es ist Professionalität.
Was Claude dabei wirklich gut kann: Einen SEO-Fehler wie falsch gesetzte Canonical-URLs (die noch auf die alte .online-Domain zeigten) sauber identifizieren und beheben, sobald man ihn zusammen anschaut. Oder ein Git-Workflow-System aufbauen, das Branch-Disziplin aktiv einfordert. Kurz: strukturiert ausführen, wenn der Rahmen klar ist.
KI übernimmt keine Verantwortung – das tust du. Wer das versteht, baut bessere Systeme: nicht weil die KI aufpasst, sondern weil man selbst die richtigen Prüfschleifen einbaut.
Was mich wirklich überrascht hat: Gedächtnis, Erschöpfung – und Orchestrierung
Zwei Dinge haben mich in diesem Projekt am meisten beschäftigt, und sie gehören zusammen.
Das erste ist das Memory-System. Claude Cowork kann Informationen über das Projekt zwischen Sitzungen hinweg speichern – aber: es entsteht nicht von selbst. Das Memory wird gemeinsam entwickelt und gepflegt, als strukturierte Markdown-Dateien, die im Projektordner liegen. Designentscheidungen, offene TODOs, Git-Workflow-Regeln, Feedback – alles, was in einer späteren Session noch relevant ist, muss bewusst dort festgehalten werden.
Ein konkreter Tipp aus der Praxis: Lege dir Startsequenz-Prompts an – kurze Texte, die du zu Beginn eines neuen Chats mitgibst, damit Claude sofort im richtigen Kontext ist. "Lies zuerst das Memory, dann die CLAUDE.md, dann machen wir weiter mit..." – das spart jedes Mal erneutes Erklären.
Das zweite ist ein Learning, das ich so nicht erwartet hatte: Chats ermüden. Lange, komplexe Sessions – bei denen viel Code generiert, diskutiert und iteriert wird – werden irgendwann langsamer, ungenauer, und im schlimmsten Fall hängt Claude buchstäblich. Die Antwort darauf ist kein Fehler im System. Sie ist Teil des Workflows: neuen Chat starten, Kontext mitliefern, weitermachen.
Das bedeutet: Ich arbeite hier bewusst nicht vollständig agentisch. Ich orchestriere den Kontext. Ich entscheide, wann ein Chat endet, welche Informationen in den nächsten mitgehen, und was weggelassen werden kann. Das ist keine Schwäche des Werkzeugs – es ist eine Kompetenz, die man entwickeln muss.
Was sich schon jetzt verändert hat
Dieses Projekt hat meine Art, mit KI zu arbeiten, bereits verändert – nicht irgendwann, sondern jetzt. Und damit auch meine Art, darüber zu sprechen.
Wenn ich in Fortbildungen erzähle, was KI kann und was sie nicht kann, erzähle ich nicht mehr aus der Theorie. Ich erzähle von der wirklich nervigen Session, die eigentlich fast vorbei war: Newsletter eingebaut, alles getestet – und dann funktionierte das Opt-in-System nicht. Irgendeine .php-Datei fehlte oder war fehlerhaft konfiguriert, der Fehler ließ sich nicht eingrenzen, Claude war ratlos, ich war ratlos. Stundenlang. Bis wir systematisch Schicht für Schicht zurückgebaut haben und der Fehler plötzlich da war – klein, fast lächerlich, aber real.
Genau solche Momente sind das Wertvollste aus diesem Projekt. Nicht die Stunden, in denen alles funktioniert hat. Sondern die, in denen man zusammen nicht weiterkam – und trotzdem irgendwann doch.
Und ich erzähle von dem, was KI nicht entscheiden kann: wofür die Website steht. Was meine Positionierung ist. Welchen Ton ich treffen will. Warum die drei Leitlinien zusammengehören. Das ist meine Arbeit – und die bleibt es.
KI-gestütztes Arbeiten ist kein Ersatz für Klarheit über das eigene Denken. Es ist ein Verstärker davon. Wer weiß, was er will, kommt schneller dahin. Wer es nicht weiß, bekommt schönen Lärm.
Diesen Prozess gemeinsam durchgehen
Du willst verstehen, wie KI-gestütztes Arbeiten wirklich funktioniert – nicht aus einem YouTube-Video, sondern hands-on, an einem echten Projekt? Ich biete genau das als Workshop an: einen halben Tag, in dem wir gemeinsam einen realen Arbeitsprozess mit Claude Cowork durchgehen – von der Strategie bis zur Umsetzung.
Geeignet für Lehrkräfte, Schulleitungen, pädagogische Fachkräfte und alle, die KI nicht nur nutzen, sondern wirklich verstehen wollen.