Für Lehrkräfte
Fünf vollständige Verlaufspläne – einer pro Praxiskapitel. Mit Phasentabelle, Zeitangaben, KMK-Kompetenzbezug, einer Begründung für jede Phase, Gelingens-Indikatoren und den Stolpersteinen, die vorher niemand sagt.
Der erste steht hier komplett und frei. Kein Konto, keine Anmeldung, kein Wort aus dem Buch. Probier ihn aus – und wenn er dir taugt, weißt du, was die anderen vier wert sind.
Frei zugänglich
Der Verlaufsplan zu Praxiskapitel 3 – der, mit dem die meisten anfangen. Zwei Richtungen desselben Werkzeugs, 90 Minuten, ohne Vorkenntnisse durchführbar.
Modul zu Praxiskapitel 3
Der Einstieg – zwei Richtungen, eine Doppelstunde
| Zielgruppe | Lehrkräfte aller Fächer – auch (und gerade) ohne jede KI-Vorerfahrung; Module ab Klasse 7, Experiment 2 auch früher einsetzbar |
| Fachbezug | fächerübergreifend; der Einstieg funktioniert mit jedem Unterrichtsthema als Material |
| Zeitbedarf | Experimente einzeln 10–20 Min.; vollständige Einstiegssequenz: 1 Doppelstunde (90 Min.) |
| Voraussetzungen | keine – dies ist das Einstiegskapitel; ein DSGVO-konformer KI-Zugang über die Lehrkraft (z. B. SchulKI, AIS.chat, fobizz); Beamer/Display |
| Material | Arbeitsaufträge in diesem Kapitel (druckfertig); digitale Anwendungen „Der Spiegel-Test“ und „Die Prompt-Schmiede“ |
| Grundregel | Eine KI im Raum, kein Kind mit eigenem Account (DSGVO-Kompass unten) |
Lernziele. Die Schüler:innen erleben die zwei Nutzungsrichtungen desselben Werkzeugs – liefern lassen und sich befragen lassen – und benennen den Unterschied an einem eigenen Beispiel; sie unterscheiden geliehenes von verstandenem Wissen, indem sie eine KI-Erklärung ohne Hilfsmittel weitergeben; und sie schreiben Prompts nach dem RKKR-Prinzip (Rolle · Kontext · Konkrete Aufgabe · Rahmen) und erklären, welche Schraube welche Wirkung hat.
Kompetenzbezug (KMK „Bildung in der digitalen Welt“): Problemlösen und Handeln – digitale Werkzeuge kennen, bedarfsgerecht und kreativ einsetzen; Kommunizieren und Kooperieren – mit Hilfe digitaler Werkzeuge zusammenarbeiten; Analysieren und Reflektieren – das eigene Mediennutzungsverhalten wahrnehmen und einschätzen.
| Phase | Zeit | Was passiert |
|---|---|---|
| Einstieg ohne KI | 10 Min. | Die Fachfrage steht an der Tafel. Alle schreiben zuerst ihre eigene Vermutung auf – roh, unfertig, das ist erwünscht. |
| Die KI antwortet | 10 Min. | Dieselbe Frage an die geschützte Schul-KI, gemeinsam am Beamer. Die Antwort wird vorgelesen. Erste Reaktion per Blitzlicht: beeindruckt? misstrauisch? beides? |
| Der Faktencheck | 15 Min. | Stimmt das? Wo klingt die KI sicherer, als sie sein kann? (Vorgriff auf Kapitel 6 – hier reicht das Bauchgefühl.) |
| Der Vergleich | 10 Min. | Was hat eure rohe Vermutung, das die glatte KI-Antwort nicht hat? Oft: eine eigene Frage, ein Zweifel, ein „Ja, aber“. |
| Runde B – die Umkehrung | 25 Min. | Dieselbe Frage, aber jetzt darf die KI nicht antworten: Sie stellt fünf Gegenfragen (Spiegel-Test, Arbeitsauftrag A1). Die Klasse antwortet – laut, suchend, eigen. |
| Sicherung | 15 Min. | Gegenüberstellung an der Tafel: 20 Sekunden Glattes / 25 Minuten Eigenes. Jede:r vervollständigt schriftlich die zwei Halbsätze aus A1. |
| Puffer/Transfer | 5 Min. | Ausblick: In welchem Fach würdet ihr Runde B zuerst ausprobieren? |
Phase 1 – Einstieg ohne KI (10 Min.)
Ziel: Die eigene, rohe Denkfassung sichern, bevor die glatte Maschinenantwort den Raum füllt.
So geht es konkret: Die Fachfrage steht beim Betreten an der Tafel – eine echte Frage aus deiner laufenden Einheit, die Deutung erlaubt („Warum verlor Napoleon in Russland?“, nicht „Wann war Waterloo?“). Fünf Minuten Stillschreiben in Einzelarbeit: „Schreib auf, was du vermutest. Halbsätze sind erlaubt. Niemand sammelt das ein.“ Danach zwei Minuten Partner-Murmeln (die eigene Vermutung dem Nachbarn vorlesen), zwei, drei Stimmen laut ins Plenum – unkommentiert stehen lassen.
Warum diese Phase: Wer zuerst die KI hört, kann die eigene Vermutung nicht mehr von der gehörten Antwort trennen (Ankereffekt). Ohne diese Phase misst der spätere Vergleich in Phase 4 nichts. Schreiben vor dem Reden holt außerdem die Stillen ins Boot.
Daran erkennst du, dass es trägt: Die Zettel füllen sich, obwohl nichts eingesammelt wird.
Stolperstein: Eine reine Faktenfrage – dann gewinnt später die KI, und Runde B fällt flach. Wähle eine Frage mit „Warum“-Kern.
Phase 2 – Die KI antwortet (10 Min.)
Ziel: Die Maschinenantwort als gemeinsamen Untersuchungsgegenstand in den Raum holen – nicht als Privatorakel.
So geht es konkret: Du tippst die Frage wortgleich an der Klassen-KI ein und sprichst dabei laut mit, was du tippst. Die Antwort erst still mitlesen lassen, dann liest ein Kind sie vor. Blitzlicht reihum mit genau einem Wort: „Beeindruckt, misstrauisch – oder beides?“ Keine Begründungen, die kommen später.
Warum diese Phase: Das eine Gerät für alle hält die Grundregel ein und macht das Vorgehen transparent – die Klasse sieht, dass Prompten sichtbares Handwerk ist. Das Ein-Wort-Blitzlicht erzwingt eine erste Selbstbeobachtung (Wie wirkt der Ton auf mich?), bevor die inhaltliche Prüfung beginnt.
Daran erkennst du, dass es trägt: Mindestens ein „beides“ fällt.
Stolperstein: Die Klasse springt sofort in die Inhaltsdiskussion. Sag die Blitzlicht-Regel vorher an: „Nur ein Wort – diskutiert wird gleich.“
Phase 3 – Der Faktencheck (15 Min.)
Ziel: Das Bauchgefühl materialisieren: Was wissen wir sicher, was klingt nur sicher?
So geht es konkret: Die KI-Antwort liegt als Ausdruck oder geteiltes Dokument vor. Paare markieren jede Aussage: grün = können wir belegen, gelb = klingt gut, wissen wir nicht. Auswertung an der Tafel: „Wo ist am meisten Gelb – und woran liegt das?“
Warum diese Phase: Urteilsfähigkeit braucht einen konkreten Gegenstand. Die Zweifarben-Markierung übersetzt das diffuse Misstrauen in überprüfbare Stellen – und legt die Spur zu Kapitel 6, ohne hier schon Quellenarbeit zu verlangen.
Daran erkennst du, dass es trägt: Es wird über einzelne Sätze gestritten, nicht über „KI gut oder schlecht“.
Stolperstein: Du löst auf, was stimmt. Widersteh – offene Gelb-Stellen bleiben offen. Das ist der Cliffhanger, von dem Kapitel 6 lebt.
Phase 4 – Der Vergleich (10 Min.)
Ziel: Den Kernbegriff des Kapitels – geliehen gegen eigen – aus dem Material der Klasse selbst entstehen lassen.
So geht es konkret: Tafel zweispaltig: Unsere Vermutungen | Die KI-Antwort. Leitfrage: „Was steht links, das rechts fehlt?“ Gesammelt wird alles: eigene Fragen, Zweifel, ein „Ja, aber“, ein Fehler mit Begründung.
Warum diese Phase: Der Unterschied zwischen geliehenem und verstandenem Wissen soll nicht als Lehrsatz verkündet, sondern an den eigenen Zetteln entdeckt werden – so wird er anschlussfähig an das, was die Klasse ohnehin schon spürt.
Daran erkennst du, dass es trägt: Formulierungen wie „Unseres ist falscher – aber es ist unseres.“
Stolperstein: Die Phase kippt in KI-Abwertung. Würdige die rechte Spalte ausdrücklich: schnell, vollständig, geordnet. Beide Wahrheiten bleiben stehen.
Phase 5 – Runde B, die Umkehrung (25 Min.)
Ziel: Dieselbe Maschine in der anderen Richtung erleben: nicht liefern lassen, sondern sich befragen lassen.
So geht es konkret: Spiegel-Test nach Arbeitsauftrag A1. Der Prompt an der Klassen-KI (vorbereitet auf Karte oder im digitalen Modul): „Beantworte unsere Frage nicht. Stell uns stattdessen fünf Fragen, die uns helfen, selbst weiterzudenken.“ Die Klasse antwortet mündlich – laut, suchend, eigen; du oder ein Kind tippt Kurzfassungen ein. Nach der dritten Gegenfrage ein kurzes Think-Pair-Share einschieben, damit auch die Leisen eine Antwort haben, bevor das Plenum sie hört.
Warum diese Phase: Die Umkehrung der Werkzeugrichtung ist die eigentliche Erfahrung des Kapitels – im Roman der Unterschied zwischen Lisas und Lorenz’ Nutzung. Die Mündlichkeit ist Absicht: Dass die Antworten langsamer kommen als in Runde A, gehört zur Sache – hier wird das eigene Denken hörbar.
Daran erkennst du, dass es trägt: Der Raum wird langsamer und konzentrierter; einzelne wollen sich die Gegenfragen notieren.
Stolperstein: Die KI erklärt doch wieder. Schärfe den Prompt vor der Klasse nach („Nur Fragen, keine Erklärungen“) – zeige diese Reparatur offen, sie ist gelebtes RKKR-Handwerk.
Phase 6 – Sicherung (15 Min.)
Ziel: Aus der Erfahrung eine persönliche Nutzungsregel machen – kein Merksatz von der Folie.
So geht es konkret: Tafelbild als Gegenüberstellung: 20 Sekunden Glattes | 25 Minuten Eigenes. Dann vervollständigt jede:r schriftlich die zwei Halbsätze aus A1: „Schneller macht mich die KI, wenn …“ / „Besser denken lässt sie mich, wenn …“ Drei, vier Freiwillige lesen vor.
Warum diese Phase: Die Halbsätze sind zugleich Sicherung und Diagnose: An ihnen siehst du, ob die Unterscheidung der beiden Nutzungsrichtungen wirklich angekommen ist – oder nur die Anekdote.
Daran erkennst du, dass es trägt: Die Halbsätze nennen konkrete Situationen („… wenn ich einen Überblick brauche“ / „… wenn ich es morgen erklären muss“) statt Allgemeinplätze.
Stolperstein: Runde B frisst die Zeit. Kürze lieber dort – eine Stunde ohne die Halbsätze bleibt Unterhaltung.
Phase 7 – Puffer und Transfer (5 Min.)
Ziel: Die Erfahrung aus dem Sonderstatus holen: Das war kein Event, das ist eine Arbeitsform.
So geht es konkret: Kurze Abstimmung per Handzeichen: „In welchem Fach würdet ihr Runde B zuerst ausprobieren – und bei welcher Frage?“ Zwei, drei Antworten hören, offen lassen.
Warum diese Phase: Der Transferimpuls verankert, dass beide Nutzungsrichtungen in jedem Fach zur Wahl stehen – und gibt dir eine ehrliche Rückmeldung, wo die Klasse das Werkzeug von sich aus einsetzen würde.
Darum geht es: Ein KI-Song aus einem Merksatz zeigt in fünf Minuten, dass KI mehr kann als Text – gewirkt hat es, wenn die Klasse den Merksatz eine Woche später noch mit Melodie im Ohr hat.
KI beschränkt sich längst nicht auf Text. Mit einem Musik-Generator (wie z. B. Suno) entstehen in Sekunden ganze Songs. Das klingt nach Spielerei – und ist eine der schnellsten Arten, Skeptiker:innen zum Staunen zu bringen.
So geht’s: Nimm einen drögen Merksatz, den deine Klasse ohnehin lernen soll – etwa „Nach l, n, r – das merke ja – steht nie tz und nie ck.“ Prompt an den Generator: „Mach aus diesem Merksatz einen eingängigen Pop-Refrain auf Deutsch, schnelles Tempo: …“ Spiel das Ergebnis am Beamer vor. Frag eine Woche später nach, wer den Satz noch auswendig kann – und beobachte, was mit dem Behalten passiert ist.
Zeitfalle Musik-Bonus. Der Song-Moment begeistert zuverlässig – und frisst zuverlässig die halbe Stunde. Als Abschluss-Belohnung ans Ende der Stunde legen, mit hartem Rahmen: ein Song, fünf Minuten, Schluss.
Zu jedem weiteren Praxiskapitel gehört ein ebenso ausgearbeiteter Verlaufsplan. Sie liegen in der Werkstatt-Ausgabe – zusammen mit dem ganzen Buch im Reader und den zwölf Werkzeugen, eingebettet an der Stelle, an der sie im Text stehen.